3 Wochen Corona-Pause – neues Lernen für Schüler und Lehrer

3 Wochen Corona-Pause – neues Lernen für Schüler und Lehrer

– Erfahrungen eines Lehrers ohne Klasse –

Anfangs dachte ich mir ja: “3 Wochen Corona-Pause – jetzt wird es ruhig. Endlich mal Zeit für Aufgeschobenes, wie z.B. den Werkraum.” Da glaubte ich auch noch, dass gerade Schüler an einem Förderzentrum esE auf die Ferne kaum zu motivieren sind.

Ruhig wurde es nicht in diesen drei Wochen, ganz im Gegenteil. Denn schnell durfte ich feststellen, dass die meisten meiner Schüler auch zu Hause sehr aktiv waren – auch Dank der großartigen Unterstützung der Eltern. Und so entwickelte ich für mich ein neues Konzept von Unterricht:

Persönlich – Digital – Strukturiert – Vertraut

Unter diesen Schlagwörtern kann man diese Wochen des virtuellen Unterrichts wohl am Besten zusammenfassen.

PERSÖNLICH:

Gerade für Schüler im Schwerpunkt emotional-soziale Entwicklung ist der persönliche Bezug sehr wichtig. Daher habe ich mich entschlossen, die Schüler jeden Tag mit einem Video zu begrüßen, in denen ich ihnen auch den täglichen Arbeitsplan vorstelle. So habe ich in diesen Wochen selbst sehr viel Neues über Videobearbeitung und youtube gerlernt. Wie kann ich Videos nur für meine Schüler zugänglich machen? Was ist technisch möglich? Wie funktioniert Green-Screen? Manchmal erschien es mir aber auch nötig, Arbeitsblätter oder Aufträge noch mal persönlich zu erklären. Auch hier haben sich Videos als hilfreich erwiesen. Auch der direkte Kontakt unter den Schülern erschien mir wichtig zu erhalten. Daher haben wir regelmäßig Videokonferenzen abgehalten. Natürlich war hier nicht an Unterricht und Lernen zu denken :-). Die Freude der Schüler, sich mal wieder zu sehen, war auf jeden Fall spürbar. Und noch jemand fehlte den Schülern in der Corona-Auszeit: Unser Schulhund. Daher gab es regelmäßige Videos und Fotos von ihr.

Ostergrüße vom Schulhund Enya

DIGITAL:

Nur digital war der virtuelle Unterricht natürlich nicht. Weiterhin gab es Arbeitsblätter und Arbeitshefte. Aber der Schwerpunkt war doch klar digital. Schließlich gab es ja auch die Arbeitsblätter auf elektronischem Weg, gehostet auf dem OneDrive der Schule. Und zu Hause liefen die Drucker heiß. Umgekehrt kamen diese bearbeiteten Arbeitsblätter dann wieder als Fotos per Mail an uns zurück. Und häufig auch Bilder von den Schülern beim Arbeiten – was es wieder sehr persönlich machte. Darüberhinaus waren aber auch anderen Übungsmöglichkeiten notwendig. Zu erwarten, dass meine Schüler jeden Tag 10 Arbeitsblätter nacheinander machen, war utopisch. So habe ich Online-Filme verlinkt, mit Arbeitsblättern ergänzt, Hörbeispiele zum Streamen angeboten und Onlineübungen auf diversen Seiten genutzt oder über learningapps.org auch selbst erstellt. Das hatte ich ja schon lange vor – aber jetzt konnte ich es nicht mehr vor mir herschieben. Und so habe ich auch hier wieder Neues gelernt, dass mir sicherlich im analogen Unterricht wieder dienlich ist.

STRUKTURIERT

Struktur ist im Unterricht wichtig. Struktur ist im Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung sehr wichtig. Strutkur ist im virtuellen Unterricht im Förderschwerpunkt esE … Daher habe ich für diese Zeit eine neues Arbeitsschema entwickelt – zur Vereinfachung für die Schüler und mich :-). So gab es jeden Morgen zum Video hinzu noch einen Arbeitsplan, auf dem die Arbeitsblätter, Onlineangebote und anderes verlinkt war. Dabei habe ich gleichzeitig die Struktur des Alltagsunterrichts in Form des Stundenplans übernommen. Dazu gehört auch die morgendlichen 5 Minuten Meditation. Bis jetzt frage ich mich, wie viele Schüler das zu Hause auch gemacht haben… Für mich kann ich sicher sagen, dass der klare Arbeitsplan mir die Vorbereitung erleichtert hat. Und für die Schüler hoffe ich es. Da ich nicht in allen Bereichen beim Hoffen bleiben wollte, habe ich dann auch direkt nachgefragt und für Eltern und Schüler eine Umfrage erstellt. Innerhalb weniger Stunden hatten alle Eltern geantwortet und auch die Schüler beteilgten sich aktiv. Mir halfen die Ergebnisse einzuschätzen, ob der bisherige Weg so passt – und dem war auch so 🙂

Ausschnitt aus den Umfrageergebnissen der Schüler
Ausschnitt aus den Umfrageergebnissen der Eltern

VERTRAUT

Wenn sich schon die Welt für die Schüler mit einem Mal auf den Kopf stellt, so wollte ich doch von Seiten der Schule viel Vertrautes bieten. Daher habe ich den Tagesplan am Stundenplan orientiert. Mathe, Deutsch und Sachfächer virtuell? Kein Problem. Was mache ich aber mit Sport und Kunst, Werken und Musik? Für mich war ein spannender Weg, auch in den kreativen Fächern aus der Ferne Anregungen geben zu können. Dank des Internets gibt es ja viele Möglichkeiten. Noch schöner war es allerdings, Fotos von den Schülern in Aktion oder von ihren Produkten zu sehen! Die täglichen Videos sowie die Eindrücke vom Schulhund waren für mich ein weiteres Mittel, um an das gewohnte Miteinander anzuknüpfen. Ganz ungewohnt war es hingegen, drei Wochen mit den Schülern zu arbeiten, ohne dass es Auseinandersetzungen und Konflikte gab :-). Mir gelang es in dieser Zeit wieder leichter, mich über das zu freuen, was die Schüler an Arbeit abliefern. Ich hatte ja gar nicht erwartet, dass überhaupt etwas kommt. Umso mehr beeindruckten mich dann die Ergebnisse der Jugendlichen. Streit untereinander war natürlich auch nicht möglich. Also insofern waren es ja dann doch ruhige Zeiten…

Christian Kreßierer, Leiter Tagesklasse

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